Umweltliebe: Die Kleidungs-Challenge

Ein Erkennungsmerkmal von fairer Kleidung sind zum Beispiel Siegel, wie hier das Neutral-Siegel im T-Shirt von dem nachhaltigen Modelabel Sandy P. Peng.
Ein Erkennungsmerkmal von fairer Kleidung sind zum Beispiel Siegel, wie hier das Neutral-Siegel im T-Shirt von dem nachhaltigen Modelabel Sandy P. Peng.

 

Der Aktionsmonat „Umweltliebe*" - benannt nach und gewidmet dem gleichnamigen Buch von Jennifer Sieglar -, organisiert von Mareike, die auf Crow und Kraken über Bücher, Feminismus und Nachhaltigkeit schreibt, geht für uns heute um das Thema: Kleidung, Textilien und umweltfreundlich anziehen. 

Auf insgesamt sechs Blogs macht der im Frühjahr im Piper-Verlag erschienene Umweltratgeber Halt - inkl. vielen ergänzenden Tipps, Rezensionen und nachhaltigen Empfehlungen, aufgeteilt nach den Kapiteln im Buch. So ging es hier bereits um die Plastik-Challenge und heute um die Kleidungs-Challenge - unser zweiter und letzter Beitrag zum Buch für die Blogparade im Mai.

Allgemeines

Nachhaltige Kleidung (und Textilien) war das erste außerhalb der veganen Foodwelt, womit wir uns beschäftigt haben, nachdem klar wurde, vegan zu leben hat nicht nur etwas mit dem Essen zu tun.

 

In dem Ratgeber „Umweltliebe" wird genau beschrieben, welche Stoffe und Textilien in der Herstellung viel Wasser verbrauchen (Baumwolle) und dass es wichtig ist auf bio-zertifizierte Baumwolle zu achten (z.B. mit dem GOTS-Siegel oder Neutral-Siegel), weil hier von der Herstellung bis zur Fertigung auf soziale und umweltfreundliche Verantwortung gelegt wird.

 

Besonders die soziale Verantwortung kommt immer wieder zur Sprache, wenn es um sog. „fair fashion", also nachhaltige Kleidung, geht. Seit dem Rana Plaza-Fabrikunglück im April 2013, bei dem 1138 Menschen, die meisten junge Frauen, ums Leben kamen, sind einige Initiativen laut geworden, mehr Transparenz in der Herstellung von Kleidung zu kommunizieren und vor allem Näher*innen entsprechend fair zu vergüten inkl. anderen Fabrikstandards wie sie in Bangladesh KiK, H&M, Primark, Mango, C&A und andere „fast fashion" Labels unterstützt wurden, zu gewährleisten.

 

Jedes Jahr wird deshalb im April - in Gedenken an den Einsturz der Fabrik - weltweit die Fashion Revolution Week ausgerufen. Unter dem Hashtag „Who made my clothes?" werden Menschen weltweit portraitiert, die für Textilunternehmen arbeiten und Kleidung herstellen - inkl. Fotos aus Fabriken, Informationen zur Vergütung und Labelempfehlungen, die Billiglöhne boykottieren und ablehnen - nicht erst seit 2013.

Die Preisfrage

Natürlich kostet soziale Verantwortung Mode-Unternehmen Zeit, Geld und Ressourcen - und fair fashion hat damit immer den Stempel teurer zu sein als fast fashion. Es ist wie mit dem Ökostrom, veganem Essen u.ä. auch: Nein, es ist erstmal nicht teurer, kommt aber darauf an, was verglichen wird. Natürlich lässt sich ein Kleid/Sweatshirt/T-Shirt etc., das nachhaltig produziert wurde, nicht mit einem KiK-Shirt vergleichen, aber mit Modelabels wie Zara, Mango, s.Oliver schon. Und da können fair gelabelte Kleidungsstücke genauso teuer sein, teurer oder eben günstiger - die Preisrange, in der wir nachhaltige Kleidung inzwischen kaufen, liegt bei durchschnittlich 8 bis 100 Euro. Eine Ausnahme gab es bei der Winterjacke von HoodLamb, die aus PET-Flaschen und Hanf hergestellt ist und vor vier Jahren eine der wenigen Hersteller warmhaltender, größerer Winterjacken war.

 

Zudem lohnt sich, wer sich Originalpreise nicht leisten kann, ggf. zu schauen, ob es mal einen Sale gibt oder einen Discount bei einer Newsletter-Anmeldung. Das bieten allerdings nicht alle fair fashion Labels an - weil bei Dumping-Preisen natürlich nicht gewährleistet werden kann, adäquate Löhne zu bezahlen.

Vegane Kleidung

Apropos vegan: Nicht jedes nachhaltig produzierte Kleidungsstück ist vegan. Wir versuchen allerdings darauf Wert zu legen, ebenso wie Polyester (vegan) in Kleidungsstücken zu vermeiden, weil das auch nichts anderes ist als Plastik in der Kleidung.

 

Vegane Stoffe/Materialien sind: Baumwolle, Bambus, Tencel, Leinen, Kork, u.v.m., ebenso wie aus PET-Flaschen recycelte und produzierte Kleidung.

Modelabels in großer Größe

Bidges & Sons: Ein nachhaltiges Hamburger Streetwear Modelabel, das auch in großen Größen produziert - für Frauen, Männer und unisex. Zusätzlicher Clou: in Hamburg vor Ort gibt´s vorne Kleidung zu erwerben und hinten den Fried Club inkl. Kuchen, Donuts, Cocktails - alles vegan natürlich.

 

Unsere Herausforderung war nicht nur Labels zu finden, die vegane, nachhaltige (und bezahlbare) Kleidung herstellen, sondern auch mindestens „echte" XL-Kleidung produzieren (ArmedAngels macht das zum Beispiel nicht), da wir beide nicht den klassischen Normgrößen und -formen entsprechen (Heiko gehört zum Beispiel mit der Körperlänge von 1,93m automatisch zu den übergroßen Größen in der Textilbranche).

 

Vor etwas mehr als einem Jahr ist die Nachhaltigkeitsbloggerin Franzi Schädel dieser Frage auch mal auf den Grund gegangen und hat zu ihrem Instagram-Posting viele positive Rückmeldungen, Markenauflistungen und Tipps bekommen zu „pluz size" fair fashion labels. Der Post ist sehr lesenswert.

 

Franzis Liste enthält einige mehr/andere Tipps - hier unsere Lieblingslabels für faire, vegane Kleidung in XL und größer (hauptsächlich mit europäischen Produktionsstätten und preislich hauptsächlich unter 100 Euro/Kleidungsstück):

Schuhe, Accessoires und sonstige Textilien

SoleRebels-Schuhe: die Sohlen sind aus recycelten Autoreifen hergestellt; die Produktion findet in Afrika unter fairen Bedingungen statt. Die Gründerin Bethlehem Tilahun Alemu hat schon viele Auszeichnungen für ihr Unternehmen erhalten.
SoleRebels-Schuhe: die Sohlen sind aus recycelten Autoreifen hergestellt; die Produktion findet in Afrika unter fairen Bedingungen statt. Die Gründerin Bethlehem Tilahun Alemu hat schon viele Auszeichnungen für ihr Unternehmen erhalten.

 

Der Klassiker, wenn es um vegane Kleidung geht, sind Schuhe, die immer noch in der Mehrzahl aus Leder gefertigt werden oder mit Kleber zusammen gehalten werden, in dem sich tierische Bestandteile befinden.

Ähnlich dem Problem der warmen Winterjacken sind auch vegane, warme Winterstiefel auf dem Bekleidungsmarkt noch seltene Mangelware.

 

Aber es gibt inzwischen Schuhmarken, die sich auf die Produktion rein veganer Fußbekleidung spezialisiert haben, wie zum Beispiel Dogo Shoes. Leider sind unsere Füße mit dem harten Schuhmaterial nicht kompatibel, aber wir freuen uns natürlich über den Zuwachs an Modelabels, die soziale Verantwortung übernehmen. Ähnlich verhält es sich mit Toms (zum Teil vegan), die größentechnisch für uns nicht passen, aber für jedes verkaufte Paar Schuhe eines an Menschen spenden, die sich sonst kein gutes Schuhwerk leisten könnten.

 

Unsere Empfehlungen für nachhaltige Schuhe:

  • die veganen Chucks: Ethletic - ein gutes Beispiel, dass fair auch günstiger sein kann. Neue Converse-Schuhe kosten 90 Euro auf der Firmenwebsite, Ethletics hingegen 75 Euro.
  • Barfußschuhe: Vivobarefoot (zum Teil vegan)
  • Schuhe aus upgecyceltem Material/Autoreifen: SoleRebels (zum Teil vegan)
  • Sandalen aus Seil: Nomadics

Darüber hinaus gibt es natürlich nicht nur nachhaltige Kleidung, sondern auch faire Textilien für den Haushalt, Accessoires etc.:

Second Hand, DIY, Slow Fashion und Minimalismus

Manchmal hat man großes Glück, dass jemand einem ein Kleidungsstück sogar schenkt. Dass es passt, kommt, wenn man etwas größere Größen trägt, aber eher selten vor. Danke hier an Katha für das schöne Ankerkleid.
Manchmal hat man großes Glück, dass jemand einem ein Kleidungsstück sogar schenkt. Dass es passt, kommt, wenn man etwas größere Größen trägt, aber eher selten vor. Danke hier an Katha für das schöne Ankerkleid.

 

Die Autorin des Buches Umweltliebe* widmet sich 12 Monate lang jeden Monat einem neuen nachhaltigen Thema und der dementsprechenden Challenge. Bei ihrer Kleidungs-Challenge hat Jennifer Siegler eine Ausnahme gemacht und sich dem Bereich ein komplettes Jahr gewidmet. Und das ist das, was nicht nur den Bereich fair fashion, sondern auch die Bewegung „slow fashion" und verantwortungsvolleres Einkaufen ausmacht. 

 

Dass Billigkleidung und fast fashion existiert, liegt nicht nur daran, dass sich Menschen nicht immer hochwertigere Kleidung leisten können, sondern auch daran, dass zum Beispiel in Deutschland 50-70 Kleidungsstücke pro Jahr gekauft werden, von denen 40% nicht oder nur selten getragen werden. Ein achtsamerer Umgang mit dem eigenen Konsum ist also ein erster Schritt in ein nachhaltigeres Leben.

 

„Brauche ich das wirklich?" ist auch zu unserem Leitsatz geworden, wenn es um Kleidung geht. Und, sobald wir neue Kleidung kaufen, sortieren wir mindestens drei getragene Kleidungsstücke aus und spenden sie, falls noch intakt, Hanseatic Help, einer Hilfsorganisation für Geflüchtete und Benachteiligte. 

 

So wird dauerhaft der Kleiderschrank ausgemistet und reduziert sich auf das, was man wirklich tragen und anziehen mag und nicht nach saisonaler Mode, die innerhalb eines Monats schon wieder out ist.

 

Das hat auch den Vorteil, das Portemonnaie zu schonen und auf die Kleidungsstücke zu sparen, die man wirklich haben möchte und dann auch länger als eine Saison halten.

 

Nicht zuletzt gilt bei Textilien natürlich auch noch: Wer die Begabung und das Talent hat, kann Kleidungsstücke, Modeaccessoires, Taschen, Wachstücher usw. selbst nähen/herstellen - aus alten T-Shirts, Stoffresten usw. Es gibt eine sehr große Do-it-yourself und Upcycling-Community in dem Bereich und auf Pinterest zum Beispiel wirklich tolle Ideen zu sehen, wie aufgetragene Kleidung weiter verwendet werden kann. Das ist vielleicht nicht immer vegan, aber in jedem Fall nachhaltig.

 

Genauso toll sind Kleidertauschpartys und Second-Hand-Läden, die gerade in Großstädten wieder ihr großes Revival feiern. Das ist im Nachhaltigkeitsbereich natürlich sehr zu begrüßen, wenn es aber um die Kriterien „große Größen" geht, braucht es schon Glücksfunde etwas Schönes und Passendes zu finden. Aber natürlich kann man bei Tauschpartys auch gegen Stoffmuster und Kleidungsstücke tauschen, die man nachher upcyceln möchte. Da sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

 

Noch etwas mehr Zeit braucht es auf Flohmärkten und Plattformen wie Kleiderkreisel, eBay Kleinanzeigen und Co. - sowohl, wenn man Kleidungsstücke verkaufen möchte als auch selbst welche erwerben. Das scheint vor allem bei Babymode gut zu funktionieren, als und für Erwachsene eher etwas müßiger.

Fazit Umweltliebe

Umweltliebe - Wie wir mit wenig Aufwand viel für unseren Planeten tun können. - Bei Kleidung gestaltet sich das etwas aufwändiger, aber die Zeit ist es wert.
Umweltliebe - Wie wir mit wenig Aufwand viel für unseren Planeten tun können. - Bei Kleidung gestaltet sich das etwas aufwändiger, aber die Zeit ist es wert.

 

Der im Piper-Verlag erschienene Ratgeber Umweltliebe* ist eine solide Inspiration und Informationsquelle, wenn es um nachhaltige Themen geht - inkl. persönlicher Tipps, Einblicke und Herausforderungen, die Jennifer Steglar in ihrem Ratgeber schildert. 

 

Das Thema „nachhaltige Kleidung" ist dabei besonders komplex, weil es hier nicht nur um Inhaltsstoffe, sondern auch soziale Verantwortung von Unternehmen, Preis, Größe und letztlich auch um die Distribution geht.

Nicht alle fair fashion Marken sind im lokalen Einzelhandel erhältlich, schon gar nicht in kleineren Städten.

Das bringt zusätzlich zwei Probleme mit sich: 1. kaufen einige Menschen nicht online Kleidung ein und 2. kann man auch über die Nachhaltigkeit von Online-Bestellungen diskutieren, vor allem, wenn sie absichtlich dazu genutzt werden, viel zu bestellen, aber wenig zu behalten. Der Avocadostore versucht bspw. durch Kundenfeedback und telefonische Auskunftsmöglichkeiten eine Rücksendequote niedrig zu halten - sie liegt dennoch bei 40%.

 

Insgesamt braucht es, wie bei vielen nachhaltigen Themen, also vor allem Zeit und Muße, sich mit nachhaltiger Kleidung auseinanderzusetzen. Das beschreibt Jennifer Sieglar eindringlich in ihrem Buch. Und wir können das bestätigen. Bis unser Kleiderschrank komplett aus nachhaltigen Labels bestehen wird, wird noch einige Zeit vergehen, weil wir lernen mussten bewusster einzukaufen und es immer Vorräte im Kleiderschrank gab, die erst durch achtsameren Umgang, längere Tragezeiten (bis sie kaputt gehen) und regelmäßigeres Ausmisten weniger werden.

 


Zu allen weiteren Beiträgen rundum das Thema „Umweltliebe" geht es hier entlang: 

 

Anna von Ink of Books schreibt zu den Themen „Mikroplastik" und „Weniger ist mehr"

 

Charline von Bücherbrise zu den Themen „Fortbewegung" und „Holz und Papier"

 

Celine von The Printrovert zu den Themen „Palmöl" und „Reisen"

 

Nise von Kitsune Books zu den Themen „Essen", „Garten und Balkon"

 

Mareike von Crow and Kraken zu den Themen „Wohnen" und „Weihnachten".

 

 

Weitere Anmerkungen:

  • Das Buch ist uns allen für die Blogtour kostenfrei zur Verfügung gestellt worden. Eine Vergütung für die Blogtour hat nicht stattgefunden. Der Artikel spiegelt unsere eigene Meinung wider.
  • Alle mit * gekennzeichneten Links sind von uns individuell eingefügte Affiliate-Links.

 

[daniela & heiko]

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