Schlürf

Ein wahrer Hingucker: Der Schlürf-Stand auf der Internorga, Hamburg 2016.
Ein wahrer Hingucker: Der Schlürf-Stand auf der Internorga, Hamburg 2016.

 

2016 waren wir das erste Mal auf der Internorga. Nun ist dies eigentlich eine B2B-Fachmesse, aber es lassen sich dort auch tolle Produkte entdecken, die neu auf dem Markt sind oder die man einfach in der Gastronomie noch nicht wahrgenommen hat.

So auch Schlürf-Tee, der durch seine markante Farbe orange natürlich sofort ins Auge springt.

Letztes Jahr konnte nur in Restaurants und Cafés „geschlürft" werden, aber inzwischen lässt sich der Tee auch über einen eigens eingerichteten Onlineshop bestellen. Grund genug, sich den Tee und die ausgefallenen Sorten endlich einmal näher anzuschauen.

 

Zunächst einmal fällt auf, dass es den Tee in verschiedenen Darreichungsformen gibt: Lose und in verschiedenen Beuteln (für die Kanne, als Pyramidenform, „Schlürfel" und klassischer Teebeutel). Das heißt, hier ist für jeden Verwendungszweck, aber auch für jeden Geschmack etwas dabei, denn auch die Sortenvielfalt ist recht groß, wenn man die Firma mal nicht mit etablierten Teefirmen wie Messmer und Co. vergleicht, sondern eher als Start-up in der Teebranche sieht: 28 Sorten aus der skandinavischen Vornamen-Reihe sowie 11 Sorten, die nach Nachnamen benannt wurden und eben ausschließlich als Beuteltee erhältlich sind.

 

Auch im Urlaub eine tolle Begleitung: Guter Tee. - Nicht in jedem Land herrscht eine ausgeprägte Teekultur. Hier, unsere Auswahl, die mit in die Karibik fliegen durfte...
Auch im Urlaub eine tolle Begleitung: Guter Tee. - Nicht in jedem Land herrscht eine ausgeprägte Teekultur. Hier, unsere Auswahl, die mit in die Karibik fliegen durfte...

 

Nun ist aber ja neben der Vielfalt und dem lustigen Aussehen vor allem der Geschmack entscheidend.

 

Deshalb stellen wir euch hier einige der vielen Schlürf-Tees im Detail vor und haben ihn mit anderen Tees geschmacklich verglichen.

 

No 1: Fritjof

Darjeeling; grundsätzlich mein persönlicher Lieblingstee, da es sich hier um einen milden Schwarztee handelt, der gut ohne Zusätze von Milch und Zucker getrunken werden kann; dafür aber auch eine perfekte Grundlage für jede Art von Eistee bietet. Die Schlürf-Variante ist etwas stärker im Geschmack und vergleichbar mit 2nd-Flush-Varianten des Darjeelings.

 

No 2: Hauke

Breakfast Tea; eine Schwarzteemischung, die nicht so kräftig ist wie Ostfriesenmischungen und sich deshalb heiß, aber auch kalt als Eistee mit z.B. Pfirsichsaft gut trinken lässt.

 

No 4: Ingolf

Earl Grey; aromatisiert mit Kornblumenblüten statt Bergamotte. Das macht den Tee außergewöhnlicher als klassischen Earl Grey, aber auch blumiger und weniger fruchtig. 

 

No 14: Toralf

Kräutertee; eine exotische Mischung aus Grün- und Matetee mit Zitronengras und anderen fruchtigen Aromen. Schmeckt wie ein leichter/abgeschwächter Matetee, weniger „muffig", dafür etwas fruchtiger. 

 

No 26: Peer

Kräutertee; Peer ist ein klassischer Pfefferminztee, der sich gut heiß und kalt trinken lässt; einer unseren Lieblingseisteemischungen ist Pfefferminztee frische Himbeeren hinzuzufügen und das ganze ein bisschen ziehen zu lassen. Perfekt für sonnige Tage und/oder alle, die lieber keinen Eistee mit Koffeingehalt trinken möchten.

 

No 27: Tomke

Weißer Tee; aromatisiert mit Rosenblättern und Granatapfelkernen. Dadurch geht leider das Blumige des sonst weißen Tees geschmacklich etwas unter. Der Granatapfelgeschmack dominiert und macht den Tee sehr fruchtig.

 

No 28: Grit

Früchtetee; Apfel, Birne und Holunder sind Grits Hauptbestandteile, weshalb der Tee sehr fruchtig, erfrischend schmeckt. Im Sommer am besten abgekühlt; ggf. mit Birnensaft gemischt.

 

Der Grüntee Ole im Vergleich mit einem Sencha aus einem klassischen Teegeschäft.
Der Grüntee Ole im Vergleich mit einem Sencha aus einem klassischen Teegeschäft.

 

No 7: Ole

Grüntee im Vergleich mit einem Sencha von TeeGschwendner.

Um einfach mal zu schauen, wie Schlürf im Vergleich zu Spezialtees abschneidet, haben wir einen Sencha und einen Schlürf-Grüntee aufgegossen und verkostet.

 

Das Hauptproblem war allerdings schon vorher klar:

Hier wird loser Tee mit einem Teebeutel verglichen und sortenreiner Tee mit einer Teemischung.

Natürlich schmeckt man diese Unterschiede, auch, wenn man kein Teekenner/-profi ist.

Doch auch mit dem Wissen, ist ganz klar sortenreiner Tee immer vorzuziehen, zumindest für uns, die keine großen Fans von aromatisierten Tees sind (nur wenige, wie z.B. von Kusmi Tea empfehlen wir gerne weiter).

Ole, eine Mischung aus Grün- und Schwarztee sowie Zitrus- und Rosenaromen, ist vor allem für Grünteemuffel geeignet; das sonst Wiesige und Grasige von klassischen Grüntees wird ersetzt durch die zugesetzten Aromen und macht den Tee gut trinkbar. Die klassischen Grüntees wie Sencha, Oolong und Matcha hingegen schmecken nicht nur besonders, sondern haben oft auch eine Aufbrühkultur, die Schlürf-Tees nicht brauchen. Das hat neben dem etwas neutraleren Grüntee-Geschmack auch einen Zeitvorteil.


Insgesamt ist dieser Vergleich aber auch eher ein Vergleich der Extreme gewesen, um einfach mal zu schauen, wie das ganze geschmacklich einzuordnen ist. Beide Tees waren auf ihre Weise gut. Schaut man sonst, welche Grüntees in Cafés und Restaurants serviert werden, zählt Schlürf zu einer der besten. Schaut man nach Raritäten, ist Kenner und kauft eher in exklusiveren Shops ein, ist der Schlürf-Grüntee Ole keine Alternative.

 

Unsere Favoriten auf einen Blick.
Unsere Favoriten auf einen Blick.

 

Fazit:

 

Von all den Sorten, die wir bisher kalt und warm probiert haben, haben uns zwei am besten gefallen.

Zum einen, die No. 3, Rasmus als loser Tee, der an klassische Ostfriesenmischungen erinnert und vom Geschmack ein bisschen kräftiger ist.

Zum anderen gefällt uns „Herr Andresen´s Green Mango" sehr, den es nur als Beuteltee gibt. Der bietet sich vor allem an kalt zu genießen an heißen (Sommer-)Tagen. Pur oder gemischt mit Mangosaft.

 

Auch die meisten anderen haben uns gut gefallen, allerdings sei hier nochmals erwähnt, dass es sich hier um Tee handelt, der zunächst großflächig in der Gastronomie vertrieben wurde und somit anderen Standards entspricht als exklusiver Tee, der nur in Anbaugebieten oder Spezialfachgeschäften erhältlich ist.

Das ist geschmacklich und preislich erkennbar, tut aber dem ganzen Schlürf-Konzept keinen Abbruch.

Ganz im Gegenteil, die Umbenennung in skandinavische Vor- und Zunamen lassen sich vielleicht besser merken als eine spezielle Teesorte, zumal in der Gastronomie das Teeangebot leider oft auch stiefmütterlich behandelt wird. „Einmal Rasmus, bitte", lässt sich vermutlich auch für das Servicepersonal besser/schneller finden als zu schauen, welcher Tee nun die gewünschte Ostfriesenmischung war.

 

Insgesamt tritt Schlürf sehr sympathisch auf, ist modern und bietet für jeden Geschmack Tee an. Die Geschichten, die über den Tee auf der Website erzählt werden sind - neben den nordischen Namen - keck und versprechen gute Laune. Ein passender Timer für jeden Tee auf der Seite ist zusätzlich ein kleiner Spaß, der sich, sollte man mal kein Smartphone zur Hand haben, als praktisch erweist.

Dass einige Tees aromatisiert sind, kommt sicher denen zugute, die sonst eher keinen Tee mögen. 

 

Das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt, um sich auch selbst einmal eine Auswahl zu besorgen und sich durch die verschiedenen Sorten zu probieren.

Und, wenn wir die Wahl zwischen Messmer, Teekanne oder Schlürf hätten, würden wir immer zu Schlürf greifen, weil er einfach besser schmeckt.

 

 

 

*Freundlicherweise wurden uns die meisten hier abgebildeten Tees nach einer Verkostung auf der Internorga 2016 kostenlos zur Verfügung gestellt. Dies hat unsere Meinung aber in keinerlei Hinsicht beeinflusst. Der Artikel entstand spontan, nachdem ich die Rezension zu „Fragen und Antworten für Paare" geschrieben hatte und ein bisschen mehr über unsere Lieblingsteesorten während des Urlaubs berichten wollte, zumal wir auch immer mal wieder nach Teetipps gefragt werden. 

 

 

[daniela]

 

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