Der Hut des Präsidenten von Antoine Laurain

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Letztes Jahr habe ich, zugegeben, leider weniger gelesen als die Jahre zuvor, aber eines der Bücher bleibt auch nach Monaten noch - magisch und in ruhigen Tönen erzählt - in Erinnerung: „Liebe mit zwei Unbekannten". 

 

Nun ist ein weiteres Buch von Antoine Laurain im Atlantik-Verlag erschienen: „Der Hut des Präsidenten".

Wenngleich seine Bücher in Frankreich auch in anderer Reihenfolge erschienen sind, tut dies nichts zur Sache, denn seine Romane sind in sich abgeschlossene Geschichten und lassen sich in beliebiger Folge lesen.

 

Und so freute ich mich auf die zweite Geschichte von dem französischen Autor, der erneut in eine wunderschöne Umhüllung gesteckt wurde und dem Cover von „Liebe mit zwei Unbekannten“ sehr ähnlich sieht.

 

 

Paris, Ende 1986/Anfang 1987: Videos werden mit VHS-Kameras aufgenommen, Knight Rider spielt gerade eine große Rolle im Fernsehen, Andy Warhol wird bald sterben und moderne Kunst spalten die (politischen) Gemüter. Die Glaspyramide vom Louvre befindet sich noch in der Planung und es war natürlich noch das Zeitalter ohne Handys, Smartphones und das große Internet. In dem es viele magische Momente gab - einfach so, herbeigeführt durch Zufälle und Kleinigkeiten. Francois Mitterrand war der Staatspräsident Frankreichs und um genau ihn geht es in dem etwas über 200 Seiten starken Buch. Oder genauer gesagt: Seinen schwarzen Hut mit den goldenen Initialen F.M. Diesen nämlich lässt er in einer Brasserie liegen, versehentlich. Aber damit ist das Abenteuer des Huts besiegelt und auch das der folgenden Träger.

 

Da ist Daniel, der noch im Bistro mitbekommt, dass der Präsident seinen Hut liegen lässt. Und noch in Gedanken, dass er eben jenes Staatsoberhaupt gerade persönlich gesehen und quasi mit ihm gegessen hat, schafft er es nicht mehr ihm rechtzeitig hinterher zu laufen und das Kopfaccessoire dem Besitzer zurückzugeben. So behält er den Hut und auch, wenn seine Familie zunächst wenig begeistert von dem „Diebstahl“ ist, merkt sie schnell, dass Daniel ohne den Hut nicht mehr das Haus verlassen will und ihm die Kopfbedeckung wichtig geworden ist. Auch, als er den beruflichen Aufstieg an der Küste wagt, muss der Hut natürlich samt Gepäck und Familie mit umziehen. Eine Schande, dass Daniel ihn dann im Zug vergisst…

 

Die neue Hut-Besitzerin heißt von nun an Fanny und lebt eine glücklich-unglückliche Affäre mit einem verheiraten Mann. Bei jedem Treffen verspricht er ihr sich von seiner Frau zu trennen. Aber Fanny kann diese abgedroschenen Phrasen nicht mehr hören und fasst irgendwann den Entschluss etwas gegen ihre Unzufriedenheit zu tun und für ihr Glücklichsein zu kämpfen. Immerhin hat sie neben ihrem Privatleben auch noch einen Beruf und die Geschichten, die ihr durch den Kopf gehen, wollen irgendwann niedergeschrieben werden.

 

Nach all der Kraft, die sie weiter gebracht hat, geht der Hut auf weitere Reise. Dieses Mal trifft er auf den Kopf von Pierre, der in jungen Jahren ein Spitzenparfümeur war, aber schon lange keine Düfte mehr kreiert. Bis er mit neuen Komponenten vertraut wird und seine Karriere eine neue, unerwartete Wendung nimmt.

 

Wäre da nicht Daniel, der alles versucht diesen - offensichtlich magischen - Hut zurück zu bekommen. Und, was ist eigentlich mit dem Präsidenten? Hat er nicht auch bemerkt, dass er seine Kopfbedeckung liegen gelassen hat?

 

Während sich also verschiedene Personen um den Hut sorgen und sich auf die Suche nach ihm begeben, hat sich der Leser schon längst auf eine Reise begeben. Eine Reise voller magischer Momente. Er lernt viele tolle Persönlichkeiten kennen und mit dem Blick durch die Hutkrempe kommt er den Protagonisten ein Stück näher. Dieser Hut ist einfach etwas Besonderes und wenngleich man selbst noch überlegt, ob es auch mal gut täte, diese Kopfbedeckung zu tragen, schafft es der Autor aus einem kleinen Modeaccessoires etwas ganz Besonderes zu machen.

 

Das Buch steckt voller schöner Augenblicke, liest sich flüssig und schnell und hat wieder vieler dieser „Hach“-Momente, den „Liebe mit zwei Unbekannten“ auch schon hatte. In Kombination mit französischer Zeitgeschichte und dem Einblick in die 80er Jahre ist die Geschichte einfach wundervoll - zu jeder Jahreszeit, auch, wenn sie wohl mit ihren leisen Tönen am besten in den Winter mit einer Tasse heißem Tee passt.

 

So verwundert es nicht, dass das Buch ab heute erhältlich ist und ich danke dem Atlantik-Verlag nicht nur für die gelungene Weihnachtsüberraschungspost, in der ich das Buch vorgefunden habe, sondern auch für die passende Verlagsveranstaltung „HutUP“ am 9. Januar.

 

 

 

Der hutige Nachmittag hat im Verlag in Hamburg stattgefunden und neben lieben Bloggerkollegen und Buchhändlern, die wir dort getroffen haben, gab es eine großartige Verlagsführung, einen Einblick in das Jahresprogramm des Verlags, leckere Verpflegung und viele, wunderbare Gespräche und Momente. 

 

 

Doch das wirklich ganz besondere Highlight war ein Live-Videotelefonat mit dem Autoren selbst, dem ich stundenlang hätte zuhören können. Jede seiner Antworten erzählt er so wunderschön wie man es nun aus seinen Büchern kennt. 

 

Und eines stellte sich dann auch heraus: Er glaubt wirklich an die Magie der Gegenstände. Vermutlich liegt dies in seinem alten Beruf des Antiquitätenhändlers. Wir dürfen also gespannt sein, welche Gegenstände er nach der Handtasche und dem Hut noch verzaubert. Den Leser jedenfalls hat er das schon. Mit jeder seiner Geschichten aufs Neue.

 

 

[daniela]

 

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