Das schräge Leben des Ben Polar von Adriana Popescu

Vielleicht kennt der ein oder andere Leser romantischer und schöner Literatur ja bereits den Sammelband „Liebe hoch 5". Ich leider noch nicht. (Das Leid der wachsenden Wunschliste...) Und so kannte ich auch Adrianas Ben noch nicht. Schande. Wer ihn noch nicht kennt, hat jetzt die Möglichkeit ihn sogar gleich im Doppelpack kennenzulernen - seit dem 23.12. sind zwei Kurzgeschichten in einem Sammelband online erhältlich.


Was als „Polar-Express" in Liebe hoch 5 begann, leuchtet 2014 nun zusammen mit dem hellen „Polar-Stern" - und somit Teil 2 der Geschichte - am Weihnachtsbuchhimmel.

 

Polar, das steht für Eis, Kälte, aber auch die Erinnerung an schöne Urlaubsziele (Polarlichter), und vielleicht irgendwo auch ganz groß für eine ganz bezaubernde Person: Ben. Ben Polar. 

Aber vielleicht ist das ja das einzig ausgefallene an ihm. Sein Nachname. Der so zu der Winterzeit und den Weihnachtswundern passt.

Er selbst sieht das nämlich ganz anders, hält sich für die eher kleine Rolle im Leben. Wie in einem „Independent-Film" - ganz ohne Starbesetzung, riesigen Soundtrack und vielleicht auch noch nicht mal die Hauptrolle...

 

Seine Freundin schmeißt ihn 2013 am Heiligen Abend raus, weil er mal wieder Mist gebaut hat, seine Katze bleibt gleich bei ihr, weil nicht mal das Tier ihn leiden konnte und als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre, steht er auch noch da, in der Kälte vor dem Haus seiner nun Ex-Freundin - im Weihnachtsmannkostüm. Nur Kinder sehen in ihm noch den Geschenke-Geber und Wunder-Vollbringer, fast alle. Für Erwachsene ist es dagegen nur eine Verkleidung - sie erkennen sofort, dass Ben nicht der richtige Weihnachtsmann ist, sie wissen, den Mann mit Rauschebart gibt es gar nicht...

 

So auch Nele, die mit ihrer Tochter Lara an Ben im Kostüm vorbei schlendert. Lara ist direkt Feuer und Flamme, wünscht sich nichts sehnlicher als endlich ihren Vater wieder zu sehen, am besten heute, Weihnachten noch, am besten sofort. Aber Ben kann nur mit einem Plüschtier helfen. Ziemlich frustrierend für alle, aber es zeigt auch, Nele scheint recht zu haben. Weihnachtsmänner gibt es nicht... Doch, die sonst sehr toughe, mehr oder weniger alleinerziehende Frau hat nicht mit dem Weihnachtswunder gerechnet. Denn auf einmal steht Ben wieder vor ihr und bietet ihr kurzehand an, sie mit ihrer Tochter zu ihrem Mann zu fahren. Nach Stuttgart. In die Großstadt. Weil Ben sowieso nichts anderes vorhat. Und, weil Ben endlich mal etwas Gutes tun will und es gut machen. Einmal ernst genommen werden, einmal derjenige sein, der in Erinnerung bleibt. 

 

Und das bleibt er.

 

Die „Polar-Express"-Fahrt wird für alle unvergesslich. Weil Ben Lara bei ihrem Wunsch helfen kann. Weil Nele Ben in seinem Vorhaben, Dinge in seiner Vergangenheit gerade zu rücken, stärkt und weil alle für eine lange Autofahrt füreinander da sind - ohne sich schon Jahre lang zu kennen.

 

Und dann sind sie am Ziel angekommen. Ohne darüber zu sprechen, wie es noch weiter gehen könnte...

 

Ein Jahr später geht es dann tatsächlich weiter.

2014 treffen sie sich auf dem Stuttgarter Weihnachtsmarkt wieder und erkennen sich sofort - auch ohne Verkleidung.

Viel ist seit dem passiert. Ben pflegt den Kontakt zu seinem Sohn nun regelmäßiger, wenngleich die Unternehmungen mit dem Auto gerade pausieren müssen.

Lara nimmt jetzt aktiver Dinge in die Hand und gibt deutlich mehr die Richtung vor - gegenüber ihrem Ex-Mann und dem Vater ihrer Tochter. 

Und, ein bisschen wie in dem Film „Before Sunrise", scheint es so, als wäre in der einen Nacht 2013 noch nicht alles gesagt und die beiden haben sich noch so viel mehr zu erzählen. Wäre da nicht die unsäglich laute Weihnachtsmusik („Last Christmas"), die viel zu schlechten Punschgetränke und die ungeduldige Lara, die mal wieder auf ihren Vater warten muss. Rockstars eben. Brauchen ihren Auftritt und kommen immer zu spät. Aber Kinder lieben ihre Eltern - egal, womit sie ihr Geld verdienen. 

Und so rettet Ben mal wieder die Situation, ohne dass ihm das so bewusst ist. Er läuft mit der Kleinen Schlittschuh, während Nele am Rand zuschaut. Eben ganz wie eine kleine Familie. Nur irgendwie nicht die eigene.

 

Aber es soll an dem Abend nicht bei der einen Rettung bleiben, denn, obwohl inzwischen Rockstar-Papa auf seine Tochter aufpasst und Nele und Ben die Zeit nutzen können sich endlich bei einem Milchcafé in einem ruhigeren Café nahe der Weihnachtsmarkteisbahn kennenzulernen, kommt es erneut zum Chaos, einer kleinen Katastrophe, und Ben weiß wieder einmal nicht, ob er doch nur die Nebenrolle in diesem Weihnachtstrubel erwischt hat. Aber vielleicht geht dieses Jahr sein eigener Wunsch in Form eines kleinen Sterns ja doch noch in Erfüllung... 

 

Adriana Popescu schafft es wieder einmal das Herz zu erwärmen mit ihren Geschichten - mit ihren rührenden Worten zu dieser wunderschönen Jahreszeit, an diesen Festtagen. Da ist jeder warme Punsch abgestandener Eistee gegen und jede Auszeit auf der Couch zwischen Geschenke kaufen und verpacken oder wieder auspacken, lohnenswert. Diese beiden Geschichten sind „für alle Alltagshelden und für dich." Egal, in welchem Familiendrama du gerade die Hauptrolle spielst.

 

Denn: Ben Polar lässt allen Weihnachtsstress vergessen, und versetzt gleichzeitig in wunderbare Vorfreude, die wieder an Wunder glauben lässt... und auch ein bisschen an den Weihnachtsmann. 

 

 

[daniela]

 

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