Fangirl von Rainbow Rowell

Zugegeben bin ich ein großer Fan von Liebesgeschichten. Sie dürfen aber auch gerne mal von gängigen Klischees abweichen - sei es in der Sprache, der Charakterentwicklung und/oder der Geschichte selbst. Und so hat mich letztes Jahr „Eleanor & Park" sehr begeistern können - einer Geschichte zweier Schüler, Außenseiter, Nerds, die sich auf ungewöhnliche Art kennenlernen und ineinander verlieben - wunderschön erzählt.

Die Autorin Rainbow Rowell hat nun zwei weitere Bücher geschrieben: „Fangirl" und „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow". Nach „Eleanor & Park" hatte ich deshalb große Erwartungen an die beiden neuen Bücher, die leider nur teilweise erfüllt werden konnten.

 

Cath und Wren sind Zwillinge. Unzertrennlich. Bis sie aufs College gehen und Wren eigene Wege gehen möchte - mit Parties, Jungs und Alkohol.

Cath ist genau das Gegenteil: Sie ist introvertiert und schreibt viel lieber Geschichten als die Realität zu erleben. Als „Magicath" hat sie sich im Internet bereits einen großen Namen gemacht. Sie schreibt online Fanfiction zu der Buchserie Simon Snow und begeistert ihre Leser mit neu interpretierten Liebesszenen über Simon und seine Weggefährten.

 

Und so ist aller Anfang am College ohne ihre geliebte Schwester sehr schwer. Sie teilt sich von nun an nicht mehr mit ihrer Schwester das Zimmer (wie sonst immer), sondern mit einer neuen Mitbewohnerin, von der Cath anfänglich denkt, sie kann sie nicht leiden. Sie besucht ihre Kurse, hält sich aber sonst von jeglichen Treffen außerhalb des Stundenplans fern - sie meidet sogar die Mensa und isst lieber ihre Lieblingsmüsliriegel statt normaler Kost, nur, um mit niemandem reden zu müssen.

 

Doch das Verstecken in der Parallelwelt geht nicht lange gut, denn in ihrem Kurs „Kreatives Schreiben" sitzt Nick, der sich als perfekter Schreibpartner für Cath herausstellt und dann ist da auch noch Levi, der beste Freund der Mitbewohnerin, der Cath nicht mehr aus den Augen lässt.

 

Und so holt Cath bald das richtige Leben ein: Sie muss Entscheidungen treffen, sich um ihre Schwester kümmern, die öfter als ihr guttut Parties feiert, ihrem alleinerziehenden Vater in einer schweren Zeit helfen und überlegen, ob sie ihre Mutter, die die Zwillinge früh verlassen hat, persönlich wieder kennenlernen möchte. Zudem verbringt sie mit Nick und Levi immer mehr Zeit am College und muss sich irgendwann entscheiden, für wen ihr Herz so richtig schlägt.

 

Was nach einer ganz gewöhnlichen Abnabelung und einem „normalen" Studienleben klingt, ist dennoch in einem Buch sehr viel Problematik und Ideenreichtum in einem: Einerseits werden Caths Probleme immer umfangreicher, andererseits nehmen die Passagen, die Cath über Simon schreibt, immer mehr Raum in dem Buch ein.

Was am Anfang des Buches noch recht flott wirkt - der Wechsel zwischen dem Leben von Cath und Wren im Wechsel mit ein bisschen Fanfiction -, wird ab ca. der Hälfte des Buches immer anstrengender zu lesen. Weil die Fanfiction etwas kürzer sein könnte, weil die Geschichte zwischen Cath und ihrem neuen Freund an Fahrt aufnimmt und weil auch sonst jede Dramatik in dem Buch an „Drive" verliert, wenn sie immer durch fiktive Geschichten über Simon unterbrochen werden. 

 

Die Charaktere in dem Buch sind alle zu stark, als dass sie verdient haben, von fantastischen Geschichten, die immer länger werden, unterbrochen zu werden. Und dann ist da ja auch noch das zweite Buch „Aufstieg und Fall des außerordentlichen Simon Snow", in der ich die Fanfiction vollständig erwarte. Aber da die Simon-Geschichten bereits so viele Seiten in „Fangirl" in Anspruch nehmen, hatte ich keine Lust mehr, den kompletten Band über Simon Snow zu lesen - auch, wenn mir die Idee übergreifender Bücher, die miteinander zusammen hängen, sehr gut gefällt.

 

Die Fanfiction erzählt aber bereits zu viel, als dass meine Neugierde ein weiteres Buch braucht. Hier hätte ich mir viel mehr gewünscht, dass die Geschichte um die Zwillinge, das College, die Familie und nicht zuletzt die erste große Liebe Priorität haben und die Fantastik nur angeteasert wird. Ein paar weniger Seiten hätten dem Buch deshalb keinen Abbruch getan und das Buch runder gemacht.

 

Rainbow Rowell (und die Übersetzerin Brigitte Jakobeit) schafft es aber dennoch wieder Charaktere zu entwickeln, die sympathisch sind, nahbar und die man ebenfalls gerne als Freunde hätte. Man fiebert, feiert und freut sich mit Cath und Wren und ihrem Weg zum Erwachsenwerden.

 

Auch die Idee das Thema Fanfiction in einem Jugendroman zu integrieren, hat mir sehr gut gefallen - nicht zuletzt habe ich gehofft, dass ich selbst ein bisschen mehr Freude an solch erfundenen Geschichten finde, die im Internet hundertfach zu bereits bestehenden Büchern, zu finden sind. Doch irgendwie konnte mich das Thema nicht ganz überzeugen, so dass ich von den beiden gelesenen Büchern der Autorin „Eleanor & Park" immer den Vorzug geben würde.

 

Da ich - unabhängig von zu viel Fanfiction und zu viel Dramatik - die Liebesgeschichte mochte, bin ich schon gespannt auf weitere Bücher von Rainbow Rowell, die es versteht ungewöhnliche und sympathische Charakter zu zeichnen, die auf ihre ganz eigene Art und Weise Liebe erfahren.

 

 

Fangirl ist neu im Hanser-Verlag erschienen und in jeder Buchhandlung oder bei Amazon* (*Affiliate-Link) erhätlich.

 

 

[daniela]

 

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