Die Sonne über Berlin von Carla Kalkbrenner

"Trinkgeldpulli" tragende, "langgriedrige Wesen", die in "Seifenschaumhöhlen" tanzen, waschen, kreischen und entschwinden ...

 

Inhaltlich geht es wie bei jedem Krimi um Mord, Schauplatz ist Berlin und es geht um Antiquitäten, Bau- & Subventionsbetrug, Drogen und was es in Berlin noch so alles gibt. Aber eigentlich ist der Verklappungstext und die eigentliche Rahmenhandlung eher nebensächlich.

Mich hat der Schreibstil der Autorin von der ersten Minute an gefesselt, grandios! Halleluja, was für ein geiles Buch!

 

Wundervoll virtuos, fast wie in einem Drehbuch. Es gibt keine richtigen Kapitel, keine Buchteile oder dergleichen, sondern nur gröbere Absätze. Die Sprünge zwischen den Absätzen erinnern mich an harte und schnelle Filmschnitte, ähnlich hektischer, modernerer Kinofilme, Musikvideos und vor allem Videospieltrailern.

 

Ich ziehen den Hut, vor der Leistung der Autorin, dieses Tempo aufrecht zu erhalten, solange der Leser noch nicht genau weiß, worum es in dem Buch eigentlich geht. Ein Kaleidoskop an Fragen und Eindrücken, ganz so wie die Puzzelstücke, die auch die Ermittler erst einmal zusammensetzen müssen. Gegen Ende hin, wird das Buch etwas ruhiger und die Schnitte sind nicht mehr ganz so drastisch.

 

Ein weiterer, großartiger Kunstgriff ist die Aneinanderreihung von Adjektiven um Sätze auslaufen zu lassen und natürlich Geschwindigkeit zu erzeugen.

 

Das Buch ist nichts für reine Krimileser, sondern eher für Menschen die virtuose und vielleicht auch skurrile Erzählkunst mögen. So ein Buch hätte ich zu meiner Zeit gerne im Deutschunterricht besprochen. Das hätte sich wenigstens gelohnt. Als Deutschlehrer ist das Buch eine wahre Schatztruhe an Möglichkeiten.

 

[heiko]

 

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